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Am Sonntag, den 17. März 2019 wurde im Handwerker Henkelhaus auf dem Gelände des LVR-Freilichtmuseum Kommern feierlich die Ausstellung "Kasper, Seppel und der Räuber. Handpuppen aus der Sammlung Christa und Irmgard Pastors" eröffent.

Für die Ausstellung konnte das LVR-Freilichtmuseum Kommern 459 Exponate aus der Privatsammlung Christa und Irmgard Pastors ausleihen und ausstellen. Die umfangreiche Sammlung begann mit einer Dresdner Künstlerpuppe, die Irmgard Pastors kurz nach der Wende in Quelinburg erstehen konnte. Seitdem haben die Schwestern nicht nur hunderte Objekte sammeln, sondern sich auch der intensiven Erforschung der Puppen widmen können.

Bei der kurzweiligen Feierlichkeit waren rund 120 Besucher*Innen anwesend. Die Redebeiträge von Prof. Dr. Willems, Frau Pastors, Frau Thomas-Ziegler und Herrn Fieder zeigten die kultur- und sozialhistorische Bedeutung des beliebten Handpuppenstars.


Kaum eine andere Figur ist so tief in unser persönliches Gedächtnis eingeschrieben, wie der Kasper. Der Duft von Popcorn bei einer Veranstaltung in einem Puppentheater, die unglaubliche Stille während einer Schulveranstaltung, kurz bevor der Kasper ruft "Sind wir alle daaaaa?" oder die Geschichten von Ottfried Preußler auf der Bühne. Manchmal ist es aber auch die Erinnerung an den Onkel, der hinter dem dicken Treppenvorhang eine kleine Darbietungswelt mit kostümierten Holzlöffeln inszenierte.

Das Handspielpuppentheater hat eine lange Tradition.

Erste Aufzeichnungen und Abbildungen zeigen Handpuppentheater bereits 1344. Damals war es, wegen seiner derben Witze, politischen Anspielungen und wegen der häufig sehr gewaltintensiven Darbietungen ein Spaß, der beileibe nicht für Kinder geeignet war. Ein erster Vorläufer des Kaspers ist bis ins beginnende 20. Jahrhundert Hanswurst.

Erst mit der Wandervogelbewegung ändert sich das: Der Begründer des Hohensteiner Puppentheaters Max Jacob entwickelt, basierend auf den reformpädagogischen Konzepten der Wandervogelbewegung, kindgerechte Handpuppentheaterstücke und entsprechende Figuren. Nicht länger sind die Stücke gewaltvoll und nicht länger prügelt der Kasper unaufhörlich auf seine Gegenspieler ein. Seine neuen Fähigkeiten sind der Witz und die Schlitzohrigkeit, mit der der Kasper nicht nur verblüfft, sondern auch zum Lachen anregt. Die Charaktere sind in diesen Stücken sehr einfach von einander zu unterscheiden. Sie werden nach gut und böse sortiert und schlussendlich behalten immer der Kasper und seine Freunde die Heldenrollen.

Während des Nationalsozialismus wird der inzwischen symphathische Kasper eine Marionette des Popagandaapparats. Er dient nun zur Truppenunterhaltung und wird für die Indoktrination der Kinder mit dem ideologischen Gedankengut der Nazis genutzt. Seine Gegenspieler sind nun nicht länger das Krokodil oder der Räuber, sondern Mr. Lügenmaul oder jüdische Figuren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Figur des Kaspers und das Handpuppenspiel schnell wieder mit dem reformpädagogischen Ansatz verknüpft. Es dient in Kindergärten und Schulen wieder der Unterhaltung, aber auch der Verkehrs- und Hygineerziehung. Der Kasper hilft beim erlernen der wichtigsten Verkehrsregeln und hilft auch beim Zähneputzen.

In dieser Zeit gesellen sich zu den klassischen Figuren auch neue Gefährten wie etwa die Helden aus Entenhausen, Mecki oder die vorwitzige Pippi Langstrumpf.

Das Handpuppentheater ist in Deutschland, anders als etwa das Sizilianische Marionettentheater "teatri dei pupi" oder auch "opera dei pupi" nicht als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt. Es wird heute zunehmend weniger beachtet. Dennoch hören wir es manchmal auf der Kirmes oder bei anderen Festen "Tri, tra, trullallaaa,..."

Sehen Sie sich die Ausstellung an und entdecken Sie Kasper, Seppels und Räubers Freunde!

Die Ausstellung ist bis Februar 2020 täglich zugänglich.